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Berufseinstieg trotz Corona

Handwerk und Soziales – geht doch

Eine Gruppe von Frauen aus dem EinLaden hat Anfang März die Integrationswerkstatt der Butting-Akademie in Knesebeck besucht. Hier haben sie gemeinsam mit der Leiterin der Werkstatt, Uschi Schüller und ihren Mitarbeitern, Einrichtungsgegenstände für den Wittinger Laden angefertigt. "Frau und Handwerk", ein Thema, das unser Projekt noch lange beschäftigen wird. Hier die Geschichte von Uschi Schüller, gelernte Tischlerin und leidenschaftlich engagiert für die Integration von Menschen am Rande der Gesellschaft.

Sägen mit richtiger Technik, Maschinen anwenden, ohne dass die Finger in Gefahr sind, nützliche Tipps lernten Frauen in einem Workshop mit Uschi Schüller. Die 55-Jährige strahlt Ruhe aus. Sie leitet die Integrationswerkstatt der Butting Akademie in Knesebeck. Uschi Schüller ist gelernte Tischlerin. Dass Frau und Handwerk nicht zusammenpassen könnten, entspricht nicht ihrer Erfahrung. „Ich komme aus einer Familie, in der die eine Hälfte Handwerker sind, die andere in sozialen Berufen tätig“, erzählt sie lächelnd. Ein Lehrer hat damals zu ihr gesagt, dass sie eine soziale Ader hätte und deshalb einen Beruf in diesem Bereich lernen solle. Mehr aus Trotz, denn aus Überzeugung hat sie sich dem Tischlerhandwerk gewidmet. Heute fügt sich beides zusammen, das handwerkliche Können und ihre sozialen Fähigkeiten.
Von ihrer Entscheidung, Tischlerin zu werden, ist sie weiterhin überzeugt. Sie arbeitet immer schon gerne mit Holz. Drei Frauen und 22 Männer, so war das Verhältnis in der Ausbildungsklasse. „Es gibt in Handwerksbetrieben schon einen rauen Ton, aber der ist nicht persönlich gemeint“, so ihre Erfahrung. Ein wirkliches Problem für kleinere Handwerksbetriebe ist, das sind die Hygienevorschriften. Es müssen Damentoiletten vorgehalten werden, oftmals zu aufwendig für kleine Unternehmen.
Wenn Frauen von sich sagen, dass sie handwerklich nicht begabt sind, schüttelt Uschi Schüller den Kopf. Man müsse nicht unbedingt eine Begabung dafür haben, aber Freude am Handwerk. Vieles kann erlernt werden. Ja, an einigen Punkten ist es eine körperlich schwere Arbeit, aber dafür gebe es Kollegialität und Unterstützung. Und sie ergänzt: „Frauen mit Lebenserfahrung fragen dann auch mal Kollegen, ob sie die schwere Arbeit machen. Dafür bieten sie andere notwendige Tätigkeiten an.“ Die Mutter von zwei Kindern ist überzeugt, dass es in der Schule mehr Anregungen zum Handwerk geben sollte. Mehr selber machen lassen, Kreativität fördern und dazu ermutigen, dass das Abitur nicht der einzige sinnvolle Schulabschluss ist.
Auf der anderen Seite ist sie auch realistisch. Viele Handwerksbetriebe sind zu klein, um Teilzeitarbeitsplätze anbieten zu können. Vollzeit ist da der übliche Arbeitsumfang. Sie habe als junge Frau das Glück gehabt, bei der Lebenshilfe in der Werkstatt eine Stelle gefunden zu haben. Da konnte sie Familie und Beruf gut vereinbaren. „Am Ende sollte eine Frau schon Lust auf einen Handwerksberuf haben. Man muss etwas lieben, dann kann man alles auch lernen“, so ihr Fazit. Uschi Schüller lächelt dabei und ergänzt: „Das Handwerk macht etwas mit einem selber. Empathie, Kreativität und Phantasie werden gefördert. Und schließlich ist es ein toller Ausgleich für Stress. Man sieht, was man erschafft.“

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